Usability World 2007 - Rückblick Tag 2

Das Abendprogramm mit einem Rundgang durch das Tropenaquarium und einem dreigängigem Buffet in toller Atmosphäre mit Live-Musik sorgte für die nötige Erholung vor dem zweiten Tag des Kongresses. Für den Rückblick auf den zweiten Kongresstag habe ich lediglich zwei besonders erwähnenswerte Vorträge herausgegriffen:

Zu Beginn des zweiten Tages haben alle Teilnehmer mit Spannung den Vortrag von Jakob Nielsen, dem Gründer und Direktor der NielsenNormanGroup erwartet - ganz klar das absolute Highlight der Veranstaltung.

Jakob Nielsen (Gründer und Direktor, NielsenNormanGroup USA): Keynote: The State of Usability

Jakob Nielsen begann seinen Vortrag mit einer Parallele, die er zwischen dem 1628 gebauten schwedischen Segelschiff Vasa, das nach nur 1.600m Fahrt sank und vielen Online-Projekten, bei denen ebenfalls auf das nötige Testing verzichtet wurde, sah.
Seine interessante Klassifizierung von Suchsystemen und die Beschreibung deren Entwicklung über die letzten 15 Jahre mündete in die Feststellung, dass Google sein Interface in den letzten 9 Jahren deshalb nur minimal verändert hat, da es ohnehin von Anfang an nahezu optimal war.
In Jakob Nielsens Gleichung für den Erfolg einer Webanwendung kam neben Visitors und ConversionRate auch der Faktor Loyalty, also die Kundenbindung vor. Zur Identifikation von Defiziten rät Jakob Nielsen unbedingt zu regelmäßigem Testing. Hier sah er jedoch viel Fehlerpotential, da Problemstellungen oft isoliert und nicht im Gesamtkontext betrachtet werden.

Clemens Lutsch (User Experience Evangelist, Microsoft Deutschland GmbH): Die Botschaft hör ich wohl, allein … - User Experience im Spannungsfeld von Wissen, Glauben, Hoffen, Bangen

User Experience Evangelist Clemens Lutsch beleuchtete das Thema User Experience schon beinahe von der philosophischen Seite. Auf sehr kurzweilige Art und Weise beschrieb er die Gründe für den mangelhaft gestalteten Dialog zwischen System und Benutzer. Seine Definition von Usability als Instrument zur Lastenminimierung und von User Experience als Geschmacksverstärker waren ebenso schmackhaft, wie folgende Sprüche:

Zum Thema „Wie Online Verantwortliche denken“: „Ich weiß, dass ich Mist gemacht habe, aber ich will nun sehen, ob es ein großer Haufen geworden ist.“

Oder zum Thema „Frühzeitige Selbsterkenntnis bei Online Verantwortlichen“: „Jeder weiß, dass wir Müll machen, aber dann machen wir lieber schönen Müll, dann ist es nicht so schlimm!“

Oder aber „Du hast keine Wahl, zwischen Dir und dem Portal wird immer was entstehen.“

Großartig! (Hier seine Nachlese zur Usability World 2007)

Mein Fazit zur Usability World 2007:

+ außergewöhnliches Ambiente – tolle Location
+ sehr gute Organisation
+ angenehm zurückhaltendes Auftreten des Veranstalters als neutraler Ausrichter
+ mehrere Top-Referenten mit interessanten Vorträgen
+ angenehme Abendveranstaltung in entspannter Atmosphäre

- kleine Kluft bei den Erwartungen der Besucher bezüglich der thematischen Ausrichtung (Online- vs. Offline-Usability)
- Niveau für Experten an manchen Stellen zu niedrig – es müsste mehr vorausgesetzt werden
- Für Newbies waren die Vorträge oft nicht strukturiert und praxisbezogen genug (aktuelle Studienergebnisse und konkrete Empfehlungen wären hier sicher hilfreich gewesen)
- auf Dauer unbequeme Sitzgelegenheiten (Sitzfleischschmerzen vorprogrammiert)
- fehlende Sitzgelegenheiten zu den Mahlzeiten
- Konversationsfördernde Gestaltung der Namensschilder(Namen und Firmen nur auf Nachfrage, weil viel zu klein)

Insgesamt war der Usability World Kongress 2007 eine sehr vielseitige und vielschichtige Veranstaltung, die durchaus besuchenswert war. Herzlichen Glückwunsch, SirValUse!


1 Kommentar zu “Usability World 2007 - Rückblick Tag 2”

  1. Usability World 2007 | Handbuch Usability Blog schrieb:

    […] World Usability 2007 - Tag 2 […]

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